Männliche Fachkräfte im Berufsfeld Kindertagesbetreuung
Der Anteil männlicher Erzieher in Kindertageseinrichtungen ist bundesweit gering. In 2008 lag er in Rheinland-Pfalz bei lediglich 2,1%. Eine solche Unterrepräsentanz von Männern im Berufsfeld erscheint aus gleichstellungspolitischer Sicht fragwürdig.
Die Ursachen für das weitgehende Fehlen von Männern im Berufsfeld Kindertagesbetreuung sind sicher nicht allein auf die Vergütung der Tätigkeit zurückzuführen, sondern haben wahrscheinlich auch viel mit tradierten Erfahrungen und Zuschreibungen in unserer Gesellschaft zu tun. Daher erscheint es besonders wichtig, solche Vorstellungen zu hinterfragen und den Blick auf ein zeitgemäßes Berufsbild zu eröffnen, das in höherem Maße Männer anspricht und gleichzeitig im vorhandenen System die Akzeptanz männlicher Fachkräfte erhöht. Das stark gewandelte Rollenbild des Vaters in der familiären Kindererziehung kann hierfür wertvolle Impulse bieten.
Auch der derzeit steigende Fachkräftebedarf in Kindertagesstätten und Kindertagespflege lässt es sinnvoll erscheinen, die vielfältigen Perspektiven des Berufsfeldes gerade für männliche Interessenten zu verdeutlichen. In der Praxis sind Männer zwar heute bereits als Fachkräfte in den Einrichtungen willkommen, aber diese Option wird noch viel zu selten wahrgenommen.
In den Bildungs- und Erziehungsempfehlungen für Kindertagesstätten in Rheinland-Pfalz wird die geschlechtssensible Pädagogik als ein wichtiges Querschnittsthema behandelt (Kapitel 2.3).
Diesem Ansatz folgend enthält auch das umfangreiche Fortbildungsprogramm für die Fachkräfte im Rahmen der Landesinitiative „Zukunftschance Kinder – Bildung von Anfang an“ mehrere Module, die Genderfragen aufgreifen und hierfür sensibilisieren.
Die mit Landesmitteln geförderte Fachstelle für Jungenarbeit Rheinland-Pfalz / Saarland bietet auf ihrer Internetseite (www.jungenarbeit-online.de) vielfältige Informationen und betreut u.a. das Projekt „Sozial engagierte Jungs“, in dem sich Jungen im Alter von 14 bis 17 Jahren in Kindertagesstätten oder Ganztagsgrundschulen engagieren und ehrenamtlich mitarbeiten können. Die Erfahrungen aus dem Projekt zeigen, dass die Reflexion der eigenen Geschlechtsrollenbilder sich sehr gut mit dem Kompetenzerwerb im Ehrenamt und darüber hinaus mit beruflicher Orientierung verbinden lassen.
Umfangreiche Informationen inklusive der Möglichkeit, einen Newsletter zum Thema "Männer in Kitas" zu abonnieren, bietet die Anfang 2010 an der Kath. Hochschule für Sozialwesen in Berlin eingerichtete Koordinationsstelle "Männer in Kitas": www.koordination-maennerinkitas.de.
Diese Koordinationsstelle wird gefördert durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und hat sich zum Ziel gesetzt, gemeinsam mit Verantwortlichen aus Politik und Praxis den Anteil männlicher Fachkräfte in Kitas spürbar zu steigern. Sie engagiert sich dazu in vielfältigen Bereichen, insbesondere in Forschung, Vernetzung, strategischer Beratung, Durchführung von Veranstaltungen und Öffentlichkeitsarbeit.

