Rund 120 Fachkräfte aus Praxis und Wissenschaft haben am 24. März 2026 an der dritten Fachtagung der InKiSoA unter dem Titel „Ohne Salat kein Nachtisch - Pädagogische Graubereiche im Kita-Alltag“ teilgenommen. „Mit der InKiSoA verfügt Rheinland-Pfalz über eine bundesweit beachtete Plattform zur fachlichen Profilierung und Weiterentwicklung der Kita-Sozialarbeit. Die dritte Fachtagung unter Beteiligung des Bildungsministeriums sowie des Landesjugendamtes Rheinland-Pfalz unterstreicht die strukturelle und politische Bedeutung des Themas und die Zielsetzung, innovative fachliche Diskurse aufzugreifen und in die Praxis zu übersetzen“, betont Professorin Dr. Vanessa Schnorr, Leiterin der Fachtagung und Professorin für Methoden der Sozialen Arbeit an der Katholischen Hochschule Mainz (KH Mainz). Mitglieder der InKiSoA sind der Fachbereich Soziale Arbeit und Sozialwissenschaften sowie das Institut für Fort- und Weiterbildung (ifw) der KH Mainz, die Arbeitsgemeinschaft der Caritasverbände in Rheinland-Pfalz und das Institut für Lehrer Fort- und Weiterbildung – Arbeitsfeld Kita (ILF).
Pädagogische Graubereiche als Impulse für Qualitätsentwicklung
Im Mittelpunkt der Fachtagung stand die Auseinandersetzung mit alltäglichen Unsicherheiten, Spannungsfeldern und nicht eindeutig regelbaren Situationen im Kita-Alltag, die auch als pädagogische Graubereiche bezeichnet werden. „Der Titel unserer Tagung greift so einen möglichen Graubereich in einer alltäglichen Essensituation auf. Nachtisch gibt es nur, wenn auch der Salat gegessen wird – für die einen nachvollziehbar und sinnvoll, um zum Beispiel zu gesunder Ernährung zu animieren, für andere pädagogisch fraglich“, erläutert Vanessa Schnorr. Eine solche Situation sei kein meldepflichtiger Vorfall, könne aber durchaus einen Anlass für fachliche Reflexion und qualitative Weiterentwicklung bieten. „Es ist von zentraler Bedeutung, solche Graubereiche nicht als Störung, sondern als produktive Anlässe wahrzunehmen. Professionelle Qualität entsteht nicht primär durch Standardisierung, sondern durch die reflektierte Bearbeitung von Ambivalenzen und widersprüchlichen Anforderungen im Alltag“, unterstreicht Vanessa Schnorr.
Kita-Sozialarbeit als verbindendes Handlungsfeld
Die praxisnahen Beiträge der Tagung verdeutlichten das Potenzial von Kita-Sozialarbeit als reflexive, vermittelnde und strukturierende Instanz zwischen Fachkräften, Familien und Systemanforderungen. Stefanie Müller (Koordinatorin für KiSoA im Kreis Germersheim) und Franziska Sauer (Koordinatorin für KiSoA im Kreis Altenkirchen ) stellten in einem moderierten Gespräch konkrete Praxissituationen vor und gaben wichtige Impulse zur Weiterentwicklung. Stephanie Höffling (Landesjugendamt RLP) beleuchtete in ihrem Beitrag Graubereiche im pädagogischen Alltag in Abgrenzung zu meldepflichtigen (pädagogischen) Vorfällen. Sie beschrieb Verantwortungsbereiche, Verfahrenswege und Bearbeitungsprozesse und verband dies mit der Rolle der Kita-Sozialarbeit. Professorin Dr. Regine Müller (Hochschule Düsseldorf) fokussierte die Kita als lernende Organisation und nahm einen multiprofessionellen Blick auf die Rolle der Kita-Sozialarbeit in der Begleitung von Teams und in der Gestaltung von Aushandlungsprozessen im Alltag ein. In Workshops konnten konkrete Themen aus dem Praxisalltag der Teilnehmenden weiter vertieft werden
Kita-Sozialarbeit sei ein verbindendes Handlungsfeld, das durch eine zusätzliche, ganzheitliche Perspektive Fachkräfte und Eltern unterstützen und entlasten könne, erklärt Vanessa Schnorr: „Kita-Sozialarbeit ist präventiv ausgerichtet und sozusagen eine Perspektive mehr im Kita-Alltag. Aus der Praxis wissen wir, dass diese Perspektive insbesondere dort zur Weiterentwicklung beitragen kann, wo sich Kita-Leitung, Erzieher*innen und Sozialarbeiter*innen als multiprofessionelles Team betrachten und gemeinsame Ideen entwickeln. Und das gilt natürlich gerade auch für Graubereiche und Unsicherheiten, die ja nicht einfach weg gehen, sondern schlichtweg Teil des Alltags sind.“
Qualifizierung als Schlüssel zur Weiterentwicklung
Die Tagung habe auch gezeigt, dass professionelles Handeln in komplexen Situationen gezielte Qualifizierung, Reflexionsräume und fachliche Begleitung brauche und die Nachfrage nach Fortbildungsangeboten, Workshops oder Zertifikatskursen zur Kita-Sozialarbeit groß sei. Für die Initiative Kita-Sozialarbeit Rheinland-Pfalz sei das große Interesse an der Tagung und an weiterer Qualifizierung eine Bestätigung ihres Engagements, resümiert Vanessa Schnorr: „Kita-Sozialarbeit als präventives, reflexives und verbindendes Handlungsfeld gilt es weiter zu stärken - insbesondere dort, wo einfache Antworten nicht ausreichen.“
